Frühling im Nahen Osten?

Abe Greenwald schreibt bei Pajamas Media, dass der sogenannte “Arab Spring” von 2005 (mit der Zedernrevolution im Libanon und demokratischem Aufbegehren in anderen Ländern der Region) sich 2008 wiederholen wird. Es ist der westliche Herbst um den er sich sorgen macht. Sehr lesenswert!

3 Antworten to “Frühling im Nahen Osten?”

  1. Didi Sagt:

    Wer die Leute auf der Strasse fragt, bekommt ohnehin einen anderen Eindruck, als uns die Fernsehbilder vorgaukeln. Die Menschen in der Region sind sehr westlich orientiert. Gerade die jungen Leute vielleicht sogar entspannter als bei uns, viel gelassener. Waehrend sich bei uns massenhaft Idioten mit Linkspartei und Hunger verursachendem Biosprit beschaeftigen, sind die Leute hier in Syrien und dem Libanon absolut down to earth. Wohin die Tuerkei driftet mag wohl niemand sagen. Was frueher einmal eine grosse Befreiung bedeutete, der Kemalismus, ist heute eher eine Last fuer die Freiheit der Menschen in der Tuerkei. Die Leute haben sogar die Hizbullah selbst ins Leben gerufen, damit sie gegen die Pkk kaempft. Ueble Erfindung sowas. Die Tuerkei ist ein Raetsel. Libanon und Syrien, insbesondere der Libanon wird Israel immer aehnlicher, d.h. business first.

  2. southparkrep Sagt:

    Vom Libanon ist das ja bekannt. Auch von den Iranern weiß ich es gut. Aber Syrien? Was kannst du dadrüber berichten.?
    Business first ist gut, aber müssen dann auch ähnliche demokratische Strukturen wie in Israel folgen. Und btw: Freedom of Business könnte sich in Israel auch verbessern.

  3. Didier Sagt:

    Das mit Syrien geht auf aktuelle Erfahrungen zurueck. Der syrische Herrscher hat bekanntlich in Oxfort studiert. Auch Syrien spuert den Druck oder Sog der Globalisierung. Syrien hat als positives Beispiel Jordanien vor Augen, wo ausser Wuestensand nichts gewesen ist und heute doch eine erstaunlich offene Gesellschaft vorzufinden ist. Der Syrische Herrscher ist immer erpicht einem gewissen Zeitgeist unter seinen Leuten zu folgen, war es frueher der Sozialismus mit guten DDR-Kontakten und vielen Russen, ist es heute eher der Islam, den das Herrscherhaus ins Auge gefasst hat und versucht diesen im Lande zu gestalten. Der Wandel in Moskau und Ostberlin hat auch Syrien beeindruckt. Auf der Strasse ist von diesen Impressionen zu hoeren, aber auch von einer neuen Verankerung des Landes in der islamischen Welt. Das der aktuelle Herrscher seine alleinige Zukunft nicht in einem Gottesstaat oder uebermaechtigem Islam suchen kann, ergibt sich aus seiner Lebensgeschichte. Dann waere die Assaddynastie schnell passee. Die harten Attacken auf den Sunitenaufstand in Hammas sagen etwas aehnliches. Das Land Syrien steht im Wandel und braucht Partner und wachsenden Wohlstand. Internetcafes sind heute auch in Syrien vielleicht kontrolliert, aber zahlreich vorhanden. Der Herrscher selbst hat sich veraendert und passt nicht mehr in das altmodische Kostuem, das der syrische Staat sich verordnet hat. Die wunderbare Architektur der neuen Oper spricht Baende. Die Syrer wollen nicht mit dem Iran in einen Topf geworfen werden, sie profitieren auch vom Wiederaufbau im Irak. Oel haben die Syrer auch eigenes. Vielleicht eine gemeinsame Vermarktung mit hier und dort koennte noch etwas bringen, aber die Syrer interessieren sich nicht fuer das Oel im Irak.

    Das spannendste ist der stille fast verschwiegene Wandel gegenueber Israel. Offiziell kann ja kaum frei darueber gesprochen werden. Doch obwohl in Israel Alarmstimmung ist bezogen auf Syrien, behaupten Syrer, die mindestens genausoviel Angst vor einem Angriff der Israelis oder einem Militaerschlag der Amis gegen Iran haben, wie Israelis vor Hisbollahraketen, dass das Land dringend einen Frieden mit Israel will und gute Beziehungen zu Israel, entsprechend Jordanien. Sie suchen nach einer gemeinsamen Vison fuer die Region, die sich auf das wirtschaftliche Beschraenken soll und die politischen Verhaeltnisse stabil lassen soll, etwa einer arabischen Wirtschaftsunion incl. Israel. Der einzige Streitpunkt ist zugleich nicht der kleinste, Syrien verlangt den Golan samt Wasser. Auch finanzielle Leistungen will Syrien erbringen (meinen die Leute auf der Strasse), um Israel entgegenzukommen. Gesucht wird ein Gespaech ueber Wasser und ueber das Verhaeltnis zur Tuerkei. Die Gegenleistung an Israel fuer eine Loesung beim Thema Wasser und Golan soll sein, dass die Hisbullah ein fuer allemal verschwindet, der Iran seinen Einfluss auf den Libanon und Syrien verliert und den Amerikanern heimlich eine Tuer aufgehalten wird ueber bestimmte Fragen von Interesse zu sprechen, ohne dabei den Russen vor den Kopf zu stossen, etc. Die Rolle der Deutschen in dem Prozess waere vermutliche eine moderierende, so war es gestern in Damaskus auf der Strasse einzufangen. Auch die Syrer wissen, dass der iranische Praesident mitunter auch hier und da ein echtes Problem sein koennte und das auch die Perser ueber diesen Mann verschiedene Meinungen haben. (Aus gutem Grund etwas lang und umstaendlich formuliert.)

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